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Dienstag, 23. August 2016

Zucchini-Invasion

Die Flut der Zucchinis ist im August unaufhaltsam. 
Eine ebensolche Flut scheint es auch bei den Rezepten
für diese Kürbisfrucht zu geben. Wer aber will im
schönsten Sommer seine Zeit in der Küche verbringen?
Blitzschnell und sehr leckerleicht verarbeitest du eine
Zucchini mittlerer Größe folgendermaßen: Du würfelst
sie, kochst sie knapp bedeckt in Milch, gibst Suppenwürze
dazu und pürierst das Ganze. Bisher war jeder, der diese
Suppe probiert hat, überrascht vom besonderen Wohlgeschmack.

Sonntag, 21. August 2016

Keine Angst vor dem Essen

Weil ich nicht so viel Zeit und auch keinen Nerv für so viel
Negatives habe, lese ich die Zeitung nur ab und zu. Natürlich
interessiert mich alles, was mit Ernährung und Fitness zu tun hat,
oft schneide ich die Artikel aus. Da gab es neulich einen Bericht
über einen Vollkost-Riegel, der alles enthält, was man braucht,
zehn Stück am Tag würden genügen. Dazu viel Wasser. Im Weltall
oder bei sonst einer extremen Expedition wäre das natürlich
superpraktisch. Theoretisch könnte man über Jahre damit überleben
und sein Gewicht in den Griff kriegen.
Keine zeitraubenden Einkäufe, kein schmutziges Geschirr und
keine aufzuräumede Küche mehr, eine kleinere Stromrechnung,
das wäre mal was. Auch das innere Feilschen -Nachschlag oder
nicht, Schokolade oder nicht - würde mit der Vorgabe von zehn
Kompaktnahrungseinheiten wegfallen.
Wegfallen würde auch das soziale Miteinander am Tisch, der Duft
des Essens und die Vorfreude, die Farben, Formen und Geschmäcker
der Nahrungsmittel, kurz, die ganze Sinnenfreude. Gastfreundschaft
könnte man mit Riegeln, die nach einer Mischung aus Erde, Salz,
Gemüse und etwas Kakaomasse schmecken, auch nicht unbedingt
kultivieren.
Sind denn nun Lebensfreude, Genuss und Abnehmen, bzw. Gewicht                                                     halten vereinbar?
Ganz klares JA. Viele Menschen finden dafür ihren eigenen Weg.
Mir hat das Buch "Lebe leichter" sehr weitergeholfen. Tipp: In der
Bamberger Stadtbücherei ist es ausleihbar. Wenn andere Büchereien
es noch nicht haben, kann man es als Wunsch dort angeben, dann wird
es angeschafft.

Mittwoch, 3. August 2016

Zeitreise

Zur Zeit lese ich das Buch "Die Briefe der Lieselotte von der Pfalz".
Lieselotte lebte vor gut 300 Jahren und wurde mit dem Bruder von
Ludwig XIV. in Frankreich verheiratet. Ihre Briefe an ihre deutschen
Verwandten sind erhalten geblieben. In das antike Deutsch musste
ich mich zunächst einlesen, aber mit der Zeit wuchs mir die Lieselotte
ans Herz. Von wegen sorgenfreies Leben auf Schlössern. Intrigen wurden
gesponnen, Gerüchte in die Welt gesetzt, Eiferüchteleien geschürt. 
Immer wieder geriet Lieselotte in die Schusslinie. Außerdem litt sie
unter dem ausschweifenden Lebensstil ihres Mannes, der ihr nach 
seinem Tod einen Berg Schulden hinterließ. Mutig, tapfer und auch
mit einem Schuss Humor stand Lieselotte ihre Schwierigkeiten durch.
An ihre Halbschwester schrieb sie im Mai 1697: "Wenn Ihr wissen solltet,
wie alles hier ist, sollte es Euch gar kein wunder nehmen, dass ich nicht
mehr lustig bin. Ein andere in meinem platz, so nicht aus dem grund lustig
gewesen wäre, würde vor kummer längst gestorben sein; aber ich werde
nur dick und fett davon. Es ist nicht ohn, daß, wenn ich das glück hätte,
bei ma tante zu sein, so glaube ich, daß ich noch etlichmal recht lustig
würde sein können; aber hierzu sehe ich leider gar keine möglichkeit.
...meine gesundheit ist nun gar zu perfekt, ich werde so dick wie ein
kugelreiter und gar keine menschliche figur schier mehr."
Am liebsten würde ich eine Zeitreise zu Lieselotte machen, sie
ermutigen und ihr brauchbare Ernährungstipps geben.
Das erste Bild zeigt sie als junge Frau, das zweite entstand viele
Jahre später.

Mittwoch, 27. Juli 2016

Da geht noch was

Ein neues Familienmitglied bringt es mit sich, dass man sich darauf ein-
und somit umstellt. Unsere Pflegetochter ist keine Vordembildschirmchillerin.
Begeistert schlug sie mir letzte Woche vor, wir könnten doch zusammen
Federball und Tischtennis spielen. Ja doch, irgendwo hatte ich noch die
Ausrüstung  dafür aufgehoben. Sie war auch noch nicht verrottet.
Also gut, ächz, aufraff, eigentlich hatte ich für diesen Tag mein Sportpensum
schon absolviert.
Habe gar nicht mehr gewusst, wie viel Spaß und gute Laune das gemeinsame
Hin und Her macht! Und das viele Bücken nach dem Feder- oder Tischtennis-
ball hält schön fit.


Freitag, 15. Juli 2016

Bewegter Alltag


Erschrocken wache ich auf - bestimmt habe ich verschlafen 
und meinen Zug verpasst. Blick auf die Uhr, Erleichterung:
Noch ein knappes Stündchen Zeit. Ich beeile mich rasend.
Der Blumenschmuck im Haar hält zwar gut, doch die Teile
brechen raus. Egal, jetzt muss ich mich um mein Gesicht
kümmern, das schuppig aussieht wie bei einer Echse, die 
sich gerade häutet. Mit einer Art Schleifgerät bekomme ich 
es einigermaßen glatt. Jetzt meine Unterlagen! Sie sind nicht
da, wo sie sonst zu sein pflegen. Ungeachtet der mächtigen
Unordnung, die ich verursache, zerre ich hastig etwas heraus,
das halbwegs brauchbar erscheint.
Mit Herzklopfen wache ich auf. Der Morgen dämmert. Es ist
ein schöner Tag. Mein Gesicht sieht normal aus. 
Heute verzichte ich auf Sport, weil mein Alltag zur Zeit ohnehin
mit Bewegung gespickt ist. Am Abend zuvor haben meine
Pflegetochter und ich das Wohnzimmer in eine Tanzfläche
verwandelt und zu arabischer, kurdischer, türkischer und
Xavier-Naidoo-Musik getanzt. Heute begleitete ich sie auf dem
Fahrrad zum Deutschkurs, später radelte ich in die Stadt und meldete
sie zu einem Fahrradkurs an, damit sie richtig sicher wird im
Straßenverkehr. Dann holte ich sie vom Deutschkurs ab und
half ihr am Nachmittag, ihr Zimmer sauber und schön zu machen.
Vielleicht gehen wir am Abend noch zu Fuß in die Stadt zu
"Bamberg zaubert". Wenn das nicht genügend Bewegung ist,
esse ich einen Schokobesen.

Samstag, 9. Juli 2016

Lebe mit Leidenschaft


so heißt das neunte Thema beim Lebe leichter-Kurs.
Das sieht bei jedem individuell verschieden aus.
Nimmt die Leidenschaft für Ideen, Ziele Projekte und
Vorhaben zu, seien sie klein oder groß, rückt das Thema
Essen automatisch weg von der allzu großen Wichtigkeit.
Ich hänge da immer ein Poster auf mit dem Spruch
"Jeder Mensch hat das Potential, etwas Besonderes zu
sein und zu bewirken."
Selbst ein acht Monate altes Baby. Da meine kleine
Enkeltochter sämtliche Niedlichkeitsrekorde sprengt
(okay, die ver-rückte Großmutter spricht), könnte ich
mich stundenlang mit diesem faszinierenden Wesen
beschäftigen und dabei alles vergessen.
Allen Mamas, die ihre Schwangerschaft gerade überhaupt
nicht brauchen können, möchte ich ganz, ganz, ganz tief ins
Herz sprechen: Behalte Dein Baby. Sonst bringst du dich
selber um. ein ganz großes Stück Lebensglück.
Leidenschaftlich Mama sein, das mag gesellschaftlich nicht
hoch im Kurs stehen. Scheiß auf Ansehen und auf das Geld.
Ich habe tiefen Respekt vor jeder Mama, die sich für ihr Kind
entscheidet. Jedes Kind bringt so viel Lebenswillen und
Lebenszugewandtheit und Lebensfreude mit, das ist einfach
ansteckend und mit nichts zu bezahlen.

Dienstag, 5. Juli 2016

Neue Welten

Nun lebt unsere Pflegetochter aus Syrien, die als
unbegleiteter Flüchtling hierher kam, schon einige Tage 
bei uns. Und allmählich dämmert es meinem trägen Hirn,
dass für mich als Pflegemutter ein bisschen mehr dazu
gehört, als mal eben ihr Leben in einem Aktenordner zu
verwalten. Sie hat hier keine Herkunftsfamilie. Nun sind WIR
ihre Familie. Sie verlässt sich auf uns und freut sich, bei
uns zu sein. Über die Dimension unserer Verantwortung
will ich nicht zu sehr nachgrübeln. Ich freue mich einfach,
dass alle diese schöne Aufgabe hier mittragen. 
Viel Lachen und Humor sind inbegriffen, weil wir uns
manchmal mit Händen und Füßen und Definitionen
verständigen. Aber das Deutsch lernen geht erstaunlich
schnell. Wenn ich so schnell Arabisch lernen würde, wäre
ich ein absoluter Überflieger. Bin ja schon stolz, dass ich
einzelne Wörter weiß. Auch kulturell lernen wir gegenseitig
von uns. Da tun sich neue Welten auf. 
Ich glaube, bei all unserer Unvollkommenheit ist es das 
allerwichtigste und grundlegendste, dass unsere Pflegetochter
immer wieder neu erlebt und spürt, dass wir sie liebhaben.