Montag, 10. Juli 2017



Einfach nur leben

(Die folgende Geschichte habe ich beim Sortieren in meinem Geschichten-Ordner entdeckt, 2009 habe ich sie geschrieben. Eine kleine Satire, die ich
Euch nicht vorenthalten will.)

„Kalorien sollten Sie nicht zu sich nehmen, denn sie machen dick“, schmökerte ich im Wartezimmer. In einer anderen Zeitschrift schrie es mir entgegen: „Die neue italienische Diät heißt ‚Tortissimo fortissimo’- Fort mit den Pfunden durch Torten.“
Dann wurde ich aufgerufen, mein Arzt gab mir nach der Untersuchung den Tipp, ein wenig abzunehmen. Diesen Rat, so beschloss ich, würde ich sehr ernst nehmen.
Blöde Leute das, die immer von mir erwarteten, dass ich meine Ü40 und drei Kinder in würdevollen Pfunden präsentierte. Mein Mann Leo fand meine Polster so schön griffig, aber er würde mich auch ohne lieben.
Womit also beginnen? Am besten erst morgen früh, so hatte ich abends noch Gelegenheit, mich gegen mögliche Hungerattacken zu wappnen. Und zwar mit einer ordentlichen Brotzeit, Spiegeleiern und Speck. Nach so viel Herzhaftem hatte ich mir zum Ausgleich drei Schokoriegel verdient. Danach war die Packung alle, ordentlich aufgeräumt muss sein.
Frontalangriff beim Frühstück mit einem halben Becher Magerjogurt und ungesüßtem Kräutertee. Gegen Mittag knurrte meine Magen mich derart aggressiv an, dass ich ihn rasch mit Gemüsesuppe und einer Scheibe Knäckebrot beruhigte. Am Nachmittag wurde ich wütend auf meinen Arzt, weil das Abnehmen eine völlig unzumutbare Quälerei war. Für meine bisherige Disziplin belohnte ich mich mit zwei Stück Torte. So ähnlich zumindest hatte der italienische Diättipp gelautet. Und der andere Rat? Auf keinen Fall Kalorien. Im Klartext: Nicht mal eine Möhre, nur Wasser. Gehorsam trank ich abends ein großes Glas davon. Dabei dachte ich wehmütig an die Zeiten, als mir mühelos eine Hechtrolle gelang. Dann konnte ich nicht mehr von den Sahnerollen lassen, nun trage ich eine Speckrolle vor mir her.
Auch ein zweites Glas Wasser sättigte mich nicht. Ich brutzelte mir fünf Frühlingsrollen und grollte am nächsten Tag beim Gang auf die Waage.
Also schrieb ich mir akribisch auf, was ich heute zu essen gedachte.
Den Zettel legte ich gut sichtbar auf den Tisch. Später war er spurlos verschwunden, aber egal, die Würstchen mussten sowieso endlich mal gemacht werden und das Stück Apfelstrudel sollte auch nicht verderben.
Leo berichtete abends stolz, er habe alles bekommen, was auf dem Einkaufszettel stand, den ich auf den Tisch gelegt hatte.
Am nächsten Tag verzeichnete die verfluchte Waage eine neue Steigerung. Nun war mentales Training mit Maulsperre angesagt:
Ich stellte mir meinen Kopf in einer Schraubzwinge vor. Ha, ich würde einfach gar nichts essen, jawohl!
Bevor ich diesen Fernsehfilm sah, muss die Tüte mit den Chips noch voll gewesen sein, ebenso die Dose mit den Erdnüssen. Und das Pfund Vanilleeis habe ich dabei wohl unbewusst verdrückt.
Durch etwas Gymnastik sorgte ich für ausgleichende Gerechtigkeit, dazu hörte ich Musik im Radio. Was für ein Rap war das denn?
„…hab ‚ne Macke mit Fressattacken, krieg davon ‚nen Stiernacken und Hamsterbacken mit dem Effekt: Meine Figur ist verreckt, hab sie unter ‚ner Kutte versteckt…“ Musste ich mir das geben?
Der Vorschlag mit dem nostalgischen Filmabend kam von Leo.
Nervös registrierte ich, dass unsere Knabbervorräte alle waren, doch dann wurde ich ganz Auge. Leo hatte eine Filmkassette aus meinen Kindertagen erwischt, Dänemarkurlaub. Wie ich selbstvergessen am Strand saß, eine Sandburg baute und einen Tunnel grub. Wie ich jauchzend durch die Wellen rannte und Stöckchen werfen mit unserem Hund spielte.
Dachte ich damals an Kalorien? An Kilos? An Kochrezepte? Ich lebte einfach, nichts weiter. Vielleicht war meine Fähigkeit dazu gar nicht so verschüttet. Leben – ich würde damit beginnen, und zwar sofort.


Mittwoch, 28. Juni 2017

Der beste Weg zur Gesundheit...

...ist der Fußweg, so hat es Sebastian Kneipp gesagt. Finde ich irgendwie auch,
auch wenn es so schön bequem ist, mal eben das Auto zu benutzen. Aber am
Sonntag gingen mein Liebster und ich zu einer Feier den Berg hinauf zu Fuß.
Wir waren auch nicht langsamer als die, die mit dem Auto kamen.
Trotzdem: Der Kalorienverbrauch bei so einer Aktion hält sich in Grenzen.
Da habe ich beim Kuchenverbrauch meinen bewährten Trick angewendet:
Von jeder Sorte ein "Versucherla" = überschaubare Menge + maximales 
Geschmackserlebnis + gutes Gefühl.






Donnerstag, 15. Juni 2017

Lasst Puppen sprechen



Gestatten, mein Name ist Finchen. Eigentlich Josefine, aber alle nennen mich Finchen.

Stellt euch vor, was neulich los war!

Ich habe geträumt, dass ich schlagartig über Nacht 15 Kilo abgenommen habe.

Als ich aufwachte, habe ich gemerkt, dass es Wirklichkeit war. 

Mein Bauch war weg.

Na, dann hab ich wie gewohnt gegessen: 3 Krapfen zum Frühstück, 3 Paar Bratwürste zum 

Mittagessen und drei Seidla Bier zur Brotzeit.

Es war ja genug Platz da.

Ihr könnt euch denken, bald waren die 15 Kilo wieder drauf.

Meine Freundin hat mich so lange beschwatzt, bis ich mit in einen Lebe leichter Kurs kam.

Eigentlich fand ich das albern, richtig essen lernen.

Naja, man isst halt einfach, wenn man Hunger hat, oder?

Im Kurs hab ich mich richtig aggressiv gefühlt. Ich wäre ja sowas von explodiert,

wenn die Kursleiterin mir alles Mögliche verboten hätte.

Wie erstaunt war ich, dass sie mir alles erlaubt hat! Sogar meine Lieblingsspeisen!

Sie hat mir erklärt, dass ein Teller voll pro Mahlzeit für meinen Bedarf reicht und dass dieser immer 

ein Drittel Obst oder Gemüse enthalten soll. Außerdem hab ich mir angewöhnt, mehr Wasser 

zu trinken und mich sogar aufgeschwungen, jeden Tag was für meine Fitness zu tun.

Lauter klasse neue Gewohnheiten hat die gute Frau mir antrainiert.

Jetzt sind die 15 Kilo wieder weg. Und das bleiben die auch. Wegen meinen neuen Gewohnheiten.

Zweimal in der Woche ein Bier, das ist ein gesundes Maß, hat die Kursleiterin gesagt.

Juchu, ich geh jetzt eins trinken und wünsche dir noch einen schönen Tag.

Mittwoch, 31. Mai 2017

Schönes Wortspiel


Eine Teilnehmerin des aktuell laufenden Bamberger Lebe leichter-Kurses
teilte uns gestern ein cleveres Motto mit, wenn die Versuchung nach
zuviel Essbarem lockt:

- Ausweichen
- Aufschieben
- Ablenken
- Abhauen

Das klingt doch ganz nach: Wir sind nicht Opfer unserer Umstände,
sondern Gestalter unseres Lebens.

Montag, 22. Mai 2017

Eine Marathonläuferin berichtet

Das war eine sehr anregende, nette Begegnung mit der sächsisch
sprechenden Frau. Früher hatte sie in Sport die Note Vier.
Als Erwachsene begann sie freiwillig zu laufen, meist mit
einer ebenfalls untrainierten Freundin. Sie steigerte sich Schritt
für Schritt. Der Anlass dafür war ihr Arbeitsbereich bei einer
Krankenkasse: Hilfsmittel für gebrechliche Menschen wie
Krücken, Treppenlifte, Rollstühle, Spezialbetten, etc.
"So willste mal nich enden", hatte sie für sich selbst gefolgert
und sich bis zum Marathonlauf gesteigert. Respekt!

Dienstag, 16. Mai 2017

Was beim Trinken alles passieren kann

Ich goss heißes Wasser auf die Ingwerscheiben, ließ eine Weile
ziehen und nahm einen Schluck. Das schmeckte seltsam gemüsig,
ganz und gar kein Ingweraroma. Beim näheren Hinsehen erkannte
ich, dass ich in der Tiefkühltruhe versehentlich in die Tüte mit den
Meerrettichscheiben gegriffen hatte. Nein, Meerrettichtee ist wirklich
nicht zu empfehlen. Später machte ich mir eine Kanne leichten
grünen Tee, freute mich drauf und wunderte mich beim Trinken.
Konnte mich nicht erinnern, dass er ein so krasses Zitronenaroma
hatte. Was war passiert? Von mir unbemerkt war mein Liebster
dem Kalk im Wasserkocher mit Zitronensäure zu Leibe gerückt.
Manchmal gibt es halt verrückte Tage. Das Trinken lasse ich mir
trotzdem nicht verleiden, weil es mir einfach gut tut. Im Zweifelsfall
einfach Wasser, unser Lebenselixier.

Wasser ist Wonne, wannenweise.
Wasser ist Wohltat, tatendurstig.
Wasser ist Wissen, Hirn will schwimmen.




Dienstag, 9. Mai 2017

Was zu viel ist, ist zu viel

Unser Sättigungsgefühl ist ein Sensibelchen und braucht vor allem eines: ZEIT.
Wer zu schnell isst, merkt nicht, wann er schon satt ist. Da kommt rasch mal
so eine Menge zusammen:



Der Magen ist zwar ein Verwandlungskünstler und kann sich dehnen,
aber richtig gut fühlt sich diese vereinnahmte Menge nicht an.

Das nächste Bild zeigt eine normale, ausgewogene Tellermenge:


Langsam genießen und angenehm satt werden, was für eine Lebensqualität!