Freitag, 15. Juli 2016

Bewegter Alltag


Erschrocken wache ich auf - bestimmt habe ich verschlafen 
und meinen Zug verpasst. Blick auf die Uhr, Erleichterung:
Noch ein knappes Stündchen Zeit. Ich beeile mich rasend.
Der Blumenschmuck im Haar hält zwar gut, doch die Teile
brechen raus. Egal, jetzt muss ich mich um mein Gesicht
kümmern, das schuppig aussieht wie bei einer Echse, die 
sich gerade häutet. Mit einer Art Schleifgerät bekomme ich 
es einigermaßen glatt. Jetzt meine Unterlagen! Sie sind nicht
da, wo sie sonst zu sein pflegen. Ungeachtet der mächtigen
Unordnung, die ich verursache, zerre ich hastig etwas heraus,
das halbwegs brauchbar erscheint.
Mit Herzklopfen wache ich auf. Der Morgen dämmert. Es ist
ein schöner Tag. Mein Gesicht sieht normal aus. 
Heute verzichte ich auf Sport, weil mein Alltag zur Zeit ohnehin
mit Bewegung gespickt ist. Am Abend zuvor haben meine
Pflegetochter und ich das Wohnzimmer in eine Tanzfläche
verwandelt und zu arabischer, kurdischer, türkischer und
Xavier-Naidoo-Musik getanzt. Heute begleitete ich sie auf dem
Fahrrad zum Deutschkurs, später radelte ich in die Stadt und meldete
sie zu einem Fahrradkurs an, damit sie richtig sicher wird im
Straßenverkehr. Dann holte ich sie vom Deutschkurs ab und
half ihr am Nachmittag, ihr Zimmer sauber und schön zu machen.
Vielleicht gehen wir am Abend noch zu Fuß in die Stadt zu
"Bamberg zaubert". Wenn das nicht genügend Bewegung ist,
esse ich einen Schokobesen.

Samstag, 9. Juli 2016

Lebe mit Leidenschaft


so heißt das neunte Thema beim Lebe leichter-Kurs.
Das sieht bei jedem individuell verschieden aus.
Nimmt die Leidenschaft für Ideen, Ziele Projekte und
Vorhaben zu, seien sie klein oder groß, rückt das Thema
Essen automatisch weg von der allzu großen Wichtigkeit.
Ich hänge da immer ein Poster auf mit dem Spruch
"Jeder Mensch hat das Potential, etwas Besonderes zu
sein und zu bewirken."
Selbst ein acht Monate altes Baby. Da meine kleine
Enkeltochter sämtliche Niedlichkeitsrekorde sprengt
(okay, die ver-rückte Großmutter spricht), könnte ich
mich stundenlang mit diesem faszinierenden Wesen
beschäftigen und dabei alles vergessen.
Allen Mamas, die ihre Schwangerschaft gerade überhaupt
nicht brauchen können, möchte ich ganz, ganz, ganz tief ins
Herz sprechen: Behalte Dein Baby. Sonst bringst du dich
selber um. ein ganz großes Stück Lebensglück.
Leidenschaftlich Mama sein, das mag gesellschaftlich nicht
hoch im Kurs stehen. Scheiß auf Ansehen und auf das Geld.
Ich habe tiefen Respekt vor jeder Mama, die sich für ihr Kind
entscheidet. Jedes Kind bringt so viel Lebenswillen und
Lebenszugewandtheit und Lebensfreude mit, das ist einfach
ansteckend und mit nichts zu bezahlen.

Dienstag, 5. Juli 2016

Neue Welten

Nun lebt unsere Pflegetochter aus Syrien, die als
unbegleiteter Flüchtling hierher kam, schon einige Tage 
bei uns. Und allmählich dämmert es meinem trägen Hirn,
dass für mich als Pflegemutter ein bisschen mehr dazu
gehört, als mal eben ihr Leben in einem Aktenordner zu
verwalten. Sie hat hier keine Herkunftsfamilie. Nun sind WIR
ihre Familie. Sie verlässt sich auf uns und freut sich, bei
uns zu sein. Über die Dimension unserer Verantwortung
will ich nicht zu sehr nachgrübeln. Ich freue mich einfach,
dass alle diese schöne Aufgabe hier mittragen. 
Viel Lachen und Humor sind inbegriffen, weil wir uns
manchmal mit Händen und Füßen und Definitionen
verständigen. Aber das Deutsch lernen geht erstaunlich
schnell. Wenn ich so schnell Arabisch lernen würde, wäre
ich ein absoluter Überflieger. Bin ja schon stolz, dass ich
einzelne Wörter weiß. Auch kulturell lernen wir gegenseitig
von uns. Da tun sich neue Welten auf. 
Ich glaube, bei all unserer Unvollkommenheit ist es das 
allerwichtigste und grundlegendste, dass unsere Pflegetochter
immer wieder neu erlebt und spürt, dass wir sie liebhaben.

Montag, 27. Juni 2016

Körperfettmessung, wozu?

Gehört hatte ich schon davon, fragte mich jedoch:
"Wozu um alles soll das gut sein? Ängstliche Selbst-
beobachtung und Selbstverrücktmachung? Oder
Anstoß zu einer gesunden Weichenstellung?
Zwischen Körperkult und Sichvernachlässigen muss
ja die gesunde Mitte liegen.
Neulich beim AOK-Familienfest bin ich sozusagen
fast drübergestolpert über so eine Messung. Sie wurde
kostenlos an einem Stand angeboten. 
"Das ist jetzt Pflicht", sagte ich mir. "Als Lebe leichter-
Coach muss ich doch Bescheid wissen."
In einen kleinen Computer, der rechts und links Griffe 
hat, werden die Daten wie Alter und Gewicht eingegeben.
Dann muss man das Gerät an den Griffen halten und kurz
warten. Ganz schwacher Strom, der wirklich nicht 
spürbar ist, wird durch den Körper geleitet. Muskeln und
Fett haben unterschiedliche Widerstände. Dies misst der
Computer und errechnet daraus den Fettanteil in Kilo und
in Prozent.
"Sie machen vermutlich Sport?", fragte mich die zuständige
Fachfrau.
Den mache ich sehr gern und sehe dabei zu, dass ich am 
Tag eine halbe Stunde schaffe. Mit der Zeit bilden sich 
dabei mehr Muskeln, die mehr Fett verbrennen.
"Mama, du musst mehr essen, du hast zu wenig Fett!", 
sorgte sich neulich einer meiner Söhne. Er schickte eine
What's App-Nachricht an meinen Mann und mich:
"Kommt ihr heute Abend zum Fussball gucken zu mir?
Die Mama soll auch kommen. Ich habe extra was für sie
eingekauft." Beigefügt war ein Foto mit Eis und Schokolade.
Das war süß in doppelter Hinsicht. Den geselligen Abend
und das Verwöhnprogramm habe ich genossen.

Montag, 20. Juni 2016

Walking

Als ich vor Jahren zum ersten Mal probehalber bei einer
Walkingrunde mitgelaufen bin, dachte ich überzeugte Joggerin:
"Das ist doch Pipifax! Das bisschen Füße abrollen und so..."
Am nächsten Tag hatte ich Muskelkater!
Nun bin ich selbst seit Jahren Übungsleiterin für Walking und
Nordic Walking, dabei habe auch ich viel dazu gelernt.
Einmal hat es neulich so doll geregnet, dass ich dachte, 
da kommt eh keiner, und blieb weg. Es waren aber fünf
Eisenbereifte da gewesen!
Eine Woche später hat es wieder so doll geregnet, da habe
ich mich wasserfest eingepackt, und siehe da, eine 
Teilnehmerin kam! Als wir mit Walken anfingen, hörte der
Regen auf, wir genossen das gute Wetter und die frische Luft.
Seit wenigen Wochen gibt es eine Walkinggruppe für
Einsteiger und schwächer Belastbare, dafür haben sich acht
Teilnehmer gefunden, die engagiert dabei sind. Nicht nur
ihnen macht es Spaß, mir auch, sodass es nach den
Sommerferien weitergeht.
Nähere Informationen dazu folgen.

Samstag, 11. Juni 2016

Coole Teilnehmerinnen

Es ist einfach klasse, was die Teilnehmerinnen meines
aktuell laufenden Lebe leichter-Kurses für Ideen beisteuern.
Das bringt noch mehr Leben und Lachen hinein.
Eine zeigte auf ihrem Smartphone ein Bild mit Diätbesteck.
Das sieht so aus:


Eine andere berichtete: "Ich weiß, dass ich die Pralinen in der Schublade
nicht essen muss. Und ich sage zu ihnen: 'Ich Chef, ihr nicht.'"
Eine weitere halbiert ihre Weinmenge und trinkt dafür Weinschorle, 
und auch eine ganze Pizza muss es nicht mehr sein, eine halbe tut es für sie auch.
Dann ist noch Platz für Salat auf dem Teller.
Da wird die Waage Woche für Woche netter:)

Mittwoch, 8. Juni 2016

Nicht meine Komfortzone

Nein, ich spreche wahrhaftig nicht alle Tage auf einer
Bühne im Freien zu Menschen an Biertischen. Ein bisschen
Herzklopfen war dabei, aber das Schreckensszenario in
Form eines Blackouts ereilte mich nicht. Einen Zettel hatte
ich nicht dabei, das hätte auch dumm ausgesehen, wenn ich
lesend auf die Interviewfragen geantwortet hätte.
Eine Frage hieß: Was kann man sich unter Lebe leichter denn
vorstellen? Ist das eine neue Trenddiät?
Antwort: Bei Lebe leichter geht es um mehr, als mal schnell
ein paar Kilos zu verlieren. Es geht um die langfristige 
Umstellung der Essgewohnheiten und darum, das Beste aus
dem eigenen Leben und den Begabungen zu machen. Es geht
auch um einen wertschätzenden Umgang mit sich selbst, denn:
Ist man innerlich gut aufgestellt, sagt man leichter nein zu
überflüssigem Essen.
Frage: Was darf man und was darf man nicht bei Lebe leichter?
Antwort: Lebe leichter ist sehr lebensnah und alltagstauglich. Es
gibt keine Extreme oder Verbote, es werden keine Kalorien oder
Fettpunkte gezählt. Jeder darf das essen, was ihm schmeckt, nur
eben nicht in beliebiger Menge und auch nicht rund um die Uhr.
Warum sollte etwas so Einfaches wie essen so kompliziert sein?
Frage: Wie viel kostet denn so ein Lebe leichter-Kurs?
Antwort: Er kostet 98 Euro, ohne versteckte Kosten, denn:
Wer sich ausgewogen, regional und saisonal ernährt, braucht
keine Nahrungsergänzungsmittel.

So ging das eine Weile hin und her, zum Schluss lud ich ins
Vortragszelt ein, das sich am Ende der Wiese bei drei süßen
Eseln befand. Ich hatte schon gehört, dass bei meinem Vorgänger
keiner gekommen war. 
Immerhin, ein Familienvater fand den Weg dorthin, und der war
auch ernsthaft interessiert daran, sich besser zu ernähren. Mit
Bildmaterial erklärte ich kurzweilig, warum Diäten nicht funktionieren
und wie das geht mit dem ganz normalen essen.
"Das ist ja wirklich total einfach", wunderte er sich.

Fazit: Ich bin dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte, 
Lebe leichter bekannter zu machen und dass der Regen erst
nach der Veranstaltung kam.